Nachruf auf Niels Böttcher

Es gibt Momente im Leben, da stellt man sich die Frage nach Sinn und Gerechtigkeit. An diesem Wochenende war in meinem Leben wieder so ein Moment, als mich die traurige Nachricht erreichte, dass Niels Böttcher ganz plötzlich und unerwartet verstorben ist. Mitten aus dem Leben und mitten aus einer großen, wunderbaren und bewundernswerten Familie gerissen, die ihm sehr viel bedeutete.

Niels Böttcher war viele Jahre Mitglied des Osterstraße e.V. und gehörte die meiste Zeit dem Vorstand an. Von 2015 bis 2018 war er als 1. Vorsitzender tätig.

Wir sind Freunde geworden, haben gemeinsam vieles geteilt und bewegt, nicht nur im Osterstraße e.V., der noch als Aktionsgemeinschaft Quartier Osterstraße e.V. firmierte, bevor wir mit Niels die Umbenennung in Osterstraße e.V. voranbrachten. Man solle ja schließlich wissen, worum es geht, nämlich um die Osterstraße, argumentierte er seinerzeit.

Ich habe von Niels in der Vorstandsarbeit viel gelernt und die Zusammenarbeit beim Bohren teils meterdicker Bretter fühlte sich nie wie Arbeit an. Mit Niels zu arbeiten war immer eine Freude, selbst im triefenden Regen den Laternenumzug zu begleiten und Würstchen an die Feuerwehrleute und Kinder zu verteilen. Die Sitzungen im „Heimspiel“ waren in der Regel ein großer Spaß und haben viele gute Projekte und Aktionen für den Stadtteil und die Osterstraße hervorgebracht: wie zum Beispiel das ökonomische Quartiersmanagement, die Fortführung des Weißen Dinner, die Entstehung und Weiterentwicklung des Weinfests.

Unvergesslich war sein Einsatz bei der Stadtteilwette gegen den NDR, als es darum ging, eine 20qm große Patchworkdecke zusammenzustellen! Weil die Bühne für die Präsentation unseres Werkes zu klein war, musste die 180 qm Patchworkdecke am Ende von professionellen Fassadenkletterern an der Fassade des Karstadt-Gebäudes angebracht werden. Diese Bilder und die Tränen, die wir neben den surrenden Industrienähmaschinen bis in die frühen Morgenstunden auf dem Rasen des GWE gelacht haben, werden wir niemals vergessen. Seine Eltern, Frau und Töchter haben sich mit ins Zeug gelegt, denn wenn ein Böttcher ein Ziel hat, ziehen alle Böttchers mit an einem Strang. Das durften wir damals miterleben und bewundern. Die NDR-Wette ist lediglich eines von vielen Beispielen, bei denen sich Niels mit voller Kraft für die Belange des Vereins und den Stadtteil Eimsbüttel eingesetzt hat, immer unter stützt durch seine Frau Marion, den Töchtern und seinen Eltern.  

Die Tatsache, dass es ihm ausschließlich und völlig unabhängig von seinen politischen Ämtern um die Sache ging, war beeindruckend. Niels hinterlässt eine Lücke im Bezirk und im Stadtteil als Akteur und Kämpfer, als Bezirks- und Kommunalpolitiker, dem es stets um die Sache ging und der sich über die Parteigrenzen hinaus stets dafür einsetzte, Gemeinschaften zu bilden und zu unterstützen, ganz im Sinne des Ziels. Auch seine Schwäche, niemals „Nein“ sagen zu können, durften wir kennenlernen. Das hat den Verein mehr als einmal gerettet.

Schließlich hat er es aber doch geschafft und sich nicht wieder für den Vorstand aufstellen lassen, um sich neuen Herausforderungen und seiner Familie zu widmen. Trotz seines offiziellen Rückzugs aus dem Vereinsleben vor nicht allzu langer Zeit, konnten wir aber weiterhin immer auf seine Mithilfe und Unterstützung zählen. Und wir haben gelernt im Laufe der Jahre: ein*e Böttcher kommt nie allein.

Seiner Familie gelten unsere Gedanken und unser tiefstes Mitgefühl. Viel zu früh und viel zu jung hat Niels uns verlassen. Das schmerzt. Er hinterlässt eine riesige Lücke.

Ruhe in Frieden, lieber Niels.

Für den Verein Osterstraße e.V.: Til Bernstein (Zweiter Vorsitzender) 

Foto mit freundlicher Genehmigung der Eimsbütteler Nachrichten

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